3D-Scanstraße für Kulturartefakte

Erstmals erfassten Fraunhofer-Forscher in der Frankfurter Liebieghaus Skulpturensammlung Kulturartefakte automatisiert. Foto/Screenschot: Fraunhofer IGD

Mit der Scan-Straße können Kulturartefakte automatisiert erfasst werden. Foto/Screenschot: Fraunhofer IGD

Katastrophen und Umweltzerstörung bedrohen auch historische Kulturschätze. Jetzt erfassten Fraunhofer-Forscher erstmals in der Frankfurter Liebieghaus Skulpturensammlung Kunstartefakte automatisiert und erschlossen diese so für die Ewigkeit.

Vom 21. bis 27. Juli 2014 war CultLab3D, die weltweit einmalige 3D-Scanstraße für Kulturartefakte, im Mittelaltersaal der Liebieghaus Skulpturensammlung in Betrieb. Das vom Fraunhofer IGD entwickelte CultLab3D soll die notwendige 3D-Digitalisierung von Kulturartefakten revolutionieren. Die Kunstwerke werden mit Hilfe der 3D-Digitalisierungstechnologie im aktuellen Erhaltungszustand gesichert und gleichzeitig für die weltweite Forschung erschlossen. Bislang war dieses Verfahren sehr teuer und zeitaufwendig. Mit CultLab3D setzen die Fraunhofer-Forscher auf die Industrialisierung und Automatisierung des gesamten 3D-Digitalisierungsprozesses mittels modernster Scan- und Beleuchtungstechniken. So ermöglicht das mobile Digitalisierungslabor, die Millionen vorhandenen Artefakte industriell, kostengünstig und schnell zu scannen und zu archivieren.

Mit ihrem CultLab3D digitalisierten die Fraunhofer-Forscher in Frankfurt erstmals echte Kulturartefakte. Innerhalb weniger Minuten scannten sie die über 500 Jahre alte Skulptur des Apoll vom Belvedere (1497/98) von Renaissance-Bildhauer Pier Jacobo Alari Bonacolsi (um 1460–1528), genannt Antico, ein. Das System erfasst Geometrie und Textur, sondern auch optischen Material-Eigenschaften, wie Reflektions- und Absorptionsverhalten. Aus den über 200 Aufnahmen aus unterschiedlichsten Blickwinkeln erzeugten die Forscher dann ein dreidimensionales Modell der Skulptur.

Bisher sind 3D-Scans von Kunstschätzen vor allem mühevolle und kostenintensive Handarbeit. Durch die erhöhte Geschwindigkeit wollen die Fraunhofer-Forscher die Kosten für 3D-Scans um das Zehn- bis Zwanzigfache verringern. Die Aussicht in Zukunft ganze Sammlungen digitalisieren zu können, ist für Prof. Dr. Vinzenz Brinkmann, Leiter der Antikensammlung der Liebieghaus Skulpturensammlung, sehr erfreulich: „Wer weiß, wie wir bisher arbeiten mussten, erkennt das ‚Wunder‘ der Scanstraße. Es eröffnen sich für die Museen nun weltweit völlig neue Wege der wissenschaftlichen Untersuchung.“

Quellen:

http://www.igd.fraunhofer.de/Institut/Abteilungen/Digitalisierung-von-Kulturerbe/AktuellesNews/Fraunhofer-Technologie-begeistert-

http://www.igd.fraunhofer.de/Institut/Abteilungen/Digitalisierung-von-Kulturerbe/Projekte/CultLab3D

http://www.liebieghaus.de/admin/ImageServer.php?ID=6742@lh&download=1

http://www.planetopia.de/nc/magazin/news-details/datum/2014/08/04/der-kunst-zu-leibe-gerueckt-3d-scanner-sichert-historische-werke-fuer-die-ewigkeit.html